Mitten im Leben, Familien im Brennpunkt & Co.
Was fasziniert uns so an den Doku-Soaps?
Gibt man jemanden das Stichwort „Mitten im Leben“, dann denkt er höchstwahrscheinlich zuerst an Mandy, die 18-jährige Mutter einer knapp 2 Jahre alten Tochter, die nicht weiß, ob nun Kevin oder Justin der Vater ihres Kindes ist. Natürlich kommt auch noch ihr Cousin Jason in Frage, der jedoch seit einem Jahr wegen Körperverletzung im Gefängnis sitzt. Fragt man Personen auf der Straße, ob sie eine derartige Sendung schon einmal gesehen haben, antworten sie instinktiv mit einem klaren Nein. Dahinter folgen meistens noch ein dickes Ausrufezeichen und ein ablehnender Gesichtsausdruck. Warum haben solche Sendungen dann so unverschämt gute Quoten? Sind diese etwa gefälscht? Ich denke nicht.
Wenn wir alle mal ehrlich wären, dann gäben wir zu, dass wir eine solche Fernsehsendung nicht nur ein Mal gesehen haben. Aber warum?
Was macht diese Doku-Soaps so attraktiv für uns?
Ich denke, die Antwort ist ganz einfach und logisch.
Egal was man gerade mal wieder verbockt hat an kleinen oder größeren Sachen. Egal, ob die langjährige Beziehung vor ein paar Tagen zu Ende gegangen ist. Wirklich komplett egal, ob man im Leben total versagt hat und jetzt vor einem riesigen Scherbenhaufen steht.
Man selbst ist immer, wirklich immer, besser dran als die Protagonisten aus Mitten im Leben & Co. Man kann also sagen, dass es eine Art Selbsttherapie ist. In solchen Momenten wird einem erst mal wieder bewusst, wie gut es einem eigentlich geht. Man tritt sich damit sozusagen in den Arsch. Eventuell kann diese eine Stunde Sendezeit besser sein als eine Stunde teure Therapie oder ein Abend in der Lieblingsbar, der mit einem schlimmen Kater am nächsten Morgen endet.
Sozusagen kann uns diese Stunde durchaus weiterbringen im Leben. Es ist nicht nur verschenkte Zeit. Zumindest nicht dann, wenn es einem danach wirklich besser geht. Das muss natürlich nicht so sein. Man kann dadurch auch noch tiefer in das Loch rutschen, da einem bewusst wird, wie schlimm es noch werden könnte. Meiner Meinung nach passiert das aber nur bei hartgesottenen Pessimisten.
Mitten im Leben ist also quasi ein alltäglicher Glücksbringer.
Denn wir sollten immer dran denken: Es wird uns jederzeit besser gehen als Mandy.